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Ziel des Versuchs In diesem Versuch wird die Reaktionsgeschwindigkeit einer Verseifungsreaktion mittels Leitfähigkeitsmessungen ermittelt.

Vorbemerkung

In diesem Versuch wird die Reaktionsgeschwindigkeit quantitativ ermittelt. Da dies anhand einer Verseifung eines Esters geschieht, sollten die Schülerinnen und Schüler Vorwissen aus den Bereichen der organischen Chemie besitzen. Die funktionellen Gruppen der Ester, Alkohole und Carbonsäuren sowie typische Reaktionstypen wie die Verseifung sind zum Verständnis der Hintergründe erforderlich.

Materialien

Spannungsquelle, Leitfähigkeitsprüfer, 2 Multimeter, Kabel, Kristallisierschale, Magnetrührer, 2 Rührfische, Stativmaterial, Erlenmeyerkolben (200 mL), Messzylinder, Messpipette (1 mL), Peleusball, Stoppuhr

Chemikalien

0,1 M Natronlauge (100 mL), Essigsäureethylester (0,44 mL)

Gefahrstoffe

Gefahrstoff H-Sätze P-Sätze GHS-Piktogramme
Essigsäureethylester H225, H319, H336, EUH066 GHS02 GHS07
Natronlauge 0,1 M H314 P280, P305+P351+P338, P310 GHS05
Ethanol H225, H319 P210, P240, P305+P351+P338, P403+P233 GHS02 GHS07
Natriumacetat-3-H2O

Durchführung

Der Versuchsaufbau erfolgt wie in Abb. 1 schematisch dargestellt.

Ein Wasserbad wird auf dem Magnetrührer auf 33 °C erwärmt und konstant gehalten. Der Erlenmeyerkolben wird mit 100 mL 0,1 M Natronlauge gefüllt. Mithilfe des Stativs wird der Erlenmeyerkolben so in das Wasserbad eingetaucht, dass die Lösung knapp unterhalb des Wasserstandes liegt. Der Leitfähigkeitsprüfer wird mit der Spannungsquelle verbunden und in die Natronlauge getaucht. Zur Messung der elektrischen Leitfähigkeit wird ein Multimeter als Amperemeter in Reihe und eines als Voltmeter parallel zum Stromkreis geschaltet. Die Anfangswerte werden notiert. Anschließend werden 0,44 mL Essigsäureethylester zur Natronlauge hinzugegeben und alle dreißig Sekunden Spannung und Stromstärke notiert, bis die Werte sich über zwei Minuten nicht mehr verändern. Diese Durchführung wird analog bei 43 °C wiederholt.

Beobachtung

Nach Zugabe des Esters sinkt die gemessene Spannung, bis sie nach etwa 15 Minuten wieder konstant bleibt. In nachfolgender Tabelle sind die Messwerte bei zwei Temperaturen aufgeführt.

Tabelle 1: Messwerte der Leitfähigkeitsänderung der Verseifung bei unterschiedlichen Temperaturen

33 °C 43 °C
t [s] U [V] I [mA] t [s] U [V] I [mA]
0 6,86 113 0 6,81 132,1
20 6,86 111,2 30 6,81 125,8
56 6,86 109,5 60 6,83 123,8
80 6,86 108,9 90 6,83 121,2
110 6,86 107,5 120 6,84 119
140 6,86 106,2 150 6,85 116,5
170 6,86 105 180 6,85 114,5
202 6,86 103,7 210 6,85 112,7
230 6,86 102,4 240 6,84 110,9
260 6,86 101,2 270 6,84 109,4
290 6,85 99,8 300 6,85 108,4
325 6,85 98,8 330 6,85 108
350 6,85 98,2 360 6,85 107,9
380 6,85 97,6 390 6,86 107,6
410 6,84 96,9 420 6,86 107,7
440 6,84 96,4 450 6,86 107,8
472 6,83 96,1 480 6,86 107,6
500 6,83 95,8
530 6,83 95,9
560 6,83 95,7
590 6,83 95,7
620 6,83 95,8
650 6,83 95,8

Abbildungen

  • Abb. 1: Versuchsaufbau

Deutung

Bei der Verseifung des Esters reagiert der Essigsäureethylester mit den Hydroxidionen der Natronlauge zu Acetationen und Ethanol. Da Natronlauge im Überschuss vorliegt, läuft die Reaktion vollständig und irreversibel ab.

CH2COOC2H5 (aq) + OH-(aq) → CH3COO-(aq) + C2H5OH(aq)

Durch die gelösten Ionen ist die Lösung elektrisch leitfähig. Die elektrische Leitfähigkeit L kann aus den gemessenen Größen der Spannung und Stromstärke ermittelt werden.

L [S]   =  
 1  
 R [Ω] 
  =  
 I [A] 
 U [V] 

Tabelle 2: Werte der elektrischen Leitfähigkeit in Abhängigkeit der Zeit bei den zwei Versuchstemperaturen

33 °C 43 °C
t [s] L [mS] t [s] L [mS]
0 16,47 0 19,39
20 16,21 30 18,47
56 15,96 60 18,13
80 15,87 90 17,75
110 15,67 120 17,39
140 15,48 150 17,01
170 15,31 180 16,72
202 15,12 210 16,45
230 14,93 240 16,21
260 14,75 270 15,99
290 14,57 300 15,82
325 14,42 330 15,77
350 14,34 360 15,75
380 14,25 390 15,69
410 14,17 420 15,70
440 14,09 450 15,71
472 14,07 480 15,69
500 14,03
530 14,04
560 14,01
590 14,01
620 14,03
650 14,03

Zu Beginn (L0) ist die elektrische Leitfähigkeit der Lösung von den gelösten Ionen der Natronlauge beeinflusst. Da sich die Konzentration der Natriumionen während des Versuch nicht ändert, kann ihr Beitrag zur Leitfähigkeit der Lösung vernachlässigt werden. Mit fortschreitendem Reaktionsverlauf werden Hydroxidionen verbraucht und Acetationen gebildet. Letztere sind weniger beweglich in der Lösung, daher sinkt die Leitfähigkeit in Abhängigkeit der Zeit (Lt). Nach Ablauf der Reaktion bleibt die elektrische Leitfähigkeit wieder nahezu konstant (L). Die elektrische Leitfähigkeit setzt sich zusammen aus dem Quotienten der messgerätbedingten Zellkonstante Z und der spezifischen Leitfähigkeit κ. Die spezifische Leitfähigkeit κ einer Lösung ist abhängig von der molaren Leitfähigkeit Λm und der Konzentration der gelösten Stoffe i.

κ =   ∑i Λm, i · ci   =   L · Z

Nach einsetzen der Leitfähigkeiten und Konzentrationen zu den Zeitpunkten 0, t und ∞, kann die zeitliche Abhängigkeit der Konzentration der Acetationen beschrieben und anhand der Leitfähigkeitsmesswerte berechnet werden. Dabei ist cE, 0 die Ausgangskonzentration des Essigsäureethylesters:

cAc-, t   =  
L0 - Lt
L0 - L
· cE, 0

Die Reaktionsgeschwindigkeit ist die Konzentrationsänderung eines an der Reaktion beteiligten Stoffes in Abhängigkeit der Zeit. In didaktisch reduzierter Näherung wird die durchschnittliche Reaktionsgeschwindigkeit betrachtet. Dabei erhalten Edukte ein negatives Vorzeichen, Produkte ein positives.

v =  
ΔcProdukte
 Δt
  =  
- ΔcProdukte
 Δt
  =  
 ΔcAc-, t
 Δt

Zur Ermittlung der Reaktionsgeschwindigkeit wird also eine Auftragung der Acetatkonzentration gegen die Zeit benötigt. Die Steigung eines linearen Fits entspricht dann der Geschwindigkeit. Für den linearen Fit ist der Achsenabschnitt in den Nullpunkt gelegt, da die Ausgangskonzentration der Acetationen null sein muss. Aus Abbildung 1 und Abbildung 2 erhält man die Geschwindigkeiten. Die zugehörigen Werte finden sich in Tabelle 3. Zur Auswertung sind jeweils die letzten Werte vernachlässigt worden, da diese als Nachperiode im Anschluss an die abgelaufene Reaktion angesehen werden können.

v(33°C) =   1,1 · 10-4mol/L · s

v(43°C) =   1,6 · 10-4mol/L · s

Nach der RGT-Regel sollte mit einer Temperaturerhöhung um 10 °C eine Verdopplung der Reaktionsgeschwindigkeit erreicht werden, was hier nicht gezeigt werden konnte. Bei häufigerer Durchführung sollte sich dieser Fehler etwas korrigieren lassen.

Tabelle 3: Wertetabelle zur Ermittlung der Verseifungsgeschwindigkeit

33 °C 43 °C
t [s] c [mol/L] t [s] c [mol/L]
0 0 0 0
20 0,0048 30 0,0112
56 0,0093 60 0,0153
80 0,0109 90 0,0199
110 0,0146 120 0,0241
140 0,0180 150 0,0288
170 0,0212 180 0,0323
202 0,0247 210 0,0355
230 0,0281 240 0,0384
260 0,0313 270 0,0410
290 0,0346 300 0,0430
325 0,0373 330 0,0438
350 0,0389 360 0,0439
380 0,0405 390 0,0448
410 0,0419 420 0,0446
440 0,0433 450 0,0444
472 0,0437 480 0,0448
500 0,0445
530 0,0442
560 0,0448
590 0,0448
620 0,0445
650 0,0445

Entsorgung

Die Lösungen können mit Wasser verdünnt über den Abfluss entsorgt werden.

Anmerkungen & Unterrichtsanschlüsse

Dieser Versuch kann gut genutzt werden, um in der Oberstufe die Themengebiete der Kinetik und der organischen Chemie zu verbinden. Es kann die Verseifung eines Esters genutzt werden, um die Reaktionsgeschwindigkeit quantitativ zu ermitteln.

Literatur

Eckhold, G.; Hoyermann, K.; Suhm, M.; Hold, M. (2014): Versuchsanleitungen zum Praktikum Physikalische Chemie I für Lehramtskandidaten. Modul B.Che.4302. Georg-August-Universität Göttingen.

Brown, Theodore L.; LeMay, Harold Eugene; Bursten, Bruce Edward; Robl, Christian (2011): Chemie. Studieren kompakt. 10., aktualisierte Aufl. München: Pearson